Plörr, es ist getan – Tag 1…

(c) Pommes Leibowitz

Ich habe entschieden einen Bericht zu verfassen, Tag für Tag. Möge er anderen bei der Impfentscheidung helfen. Natürlich werde ich, falls es nichts zu berichten gibt, mehrere Tage zusammenfassen. Wenn ihr also nix von mir hört, besteht zum einen die wahrscheinlichste Möglichkeit, dass es nichts zu berichten gab, oder zum anderen den eher unwahrscheinlichen Fall, dass ich nicht berichten kann…

Warum ich mich impfen ließ?

Nun zum einen ist da mein schwer kranker Nachbar, der eine Heidenangst vor Corona hat, weil er nicht geimpft werden kann. Ungeimpfte machen ihm Angst. Die mediale Berieselung, dass Ungeimpfte die Ungeheuer sind, die alle infizieren, wirkt.

Ich persönlich habe da eher Angst vor ungetesteten Geimpften. Die Ungeimpften sind vorsichtiger, vor ihnen braucht man sich nicht so sehr fürchten, die meisten von ihnen achten auf Abstand.

Keine Testpflicht für Geimpfte ist also der Hauptgrund.

Nächster Grund: die ab 11.10 kostenpflichtigen Tests kann ich mir nicht leisten. Das wird vielen so gehen. Wie will man ohne ausreichend Tests erkennen, wann die Pandemie wieder hochläuft?

Mein Nachbar ist ein weiterer Grund.

Herr Bundesgesundheitsminister Spahn, ich halte Sie für unfähig, und die anderen Politkasper, die es zulassen, dass Geimpfte (und Genesene) ungetestet irgendwo reinkommen, wo für andere Testpflicht besteht, gleich mit. 1G (alle getestet) wäre die Entscheidung der Vernunft gewesen.
Wie ich vernahm, bauen von der Ursprungsvariante Genesene keinerlei Immunität gegen Delta auf, behauptete jedenfalls heute mein Impfarzt.

Übrigens, Herr MP Kretschmer (CDU). Das sächsische Impfkonzept ist, mit Verlaub, Scheiße. Wo waren denn in Frau Merkels Impfaktionswoche im Raum Zittau die Impfaktionen? Wo sind die Impfaktionen jetzt? Aber die Bürger sind schuld…

“Auch nicht geimpfte Menschen behalten ihre Grundrechte”, ein schöner Satz, dazu passt dann: Sachsen will am 23. September 2G einführen. Ungeimpfte müssen in vielen Restaurants, Kinos, Konzerten etc. draußen bleiben. 
Ja, können wir machen, aber 1G (alle testen) und Abstand liegt im Ermessen der Wirte und Veranstalter wäre besser – Obwohl, warum meckere ich eigentlich? Ich bin ja bald einer der Glücklichen, die sich wie die Sau auf dem Sofa benehmen können, andere ungetestet infizieren dürfen und vermutlich fix die Infektion verteilen werden. – Denken Sie an Ihre Fehlentscheidungen vom vorigen Herbst.

TAG1:

Dienstag habe ich sechs Liter Sprit vergurkt, um am letzten Tag ins Impfzentrum Löbau zu eilen, damit Norbi endlich mit dem Rumnerven, dass ich ihn gefährden würde und er nicht wolle, dass ich sterbe aufhört. Von irgend welchen Impfaktionen in Zittau war ja nichts zu sehen und zu hören.

Dort 10:00 Uhr angekommen, es war nicht viel los, erhielt ich erstmal wunschgemäß einen Zettel für J&J und den Hinweis: der wird aber erst ab 60 verimpft. So weit, so gut, ich eilte mit ausgefüllten Zettelwerk zu Tor 2 oder 3. Die Krankenkassenkarte wurde erneut gescannt und ein Zettel gedruckt. Wartebereich 2 bitte. Ich musste nicht lange warten, eine ältere Ärztin, vermutlich aus dem Ruhestand angeworben, bat mich in ihr Kabuff. “Johnson” quietschte sie. “Wieso” fragte ich, “ist etwas damit?” “Der ist erst von der SIKO ab 60 empfohlen, den impfe ich nicht”, “ich bin 58 und ich möchte einen Vector-Impfstoff, konventionellen Peptid-Impfstoff habt ihr ja nicht”, sagte ich.

“Stöcker! diese experimentelle Sache, einige haben nach der fünften Impfung noch keine Antikörper entwickelt” Woher wusste sie das? Und, “dass vorwiegend aus Zittau die Impfskeptiker kämen”, erzählte sie noch,  “Ich frag mal die anderen Ärzte” sagte sie nett und eilte los.  Ich dachte komme ich jetzt an Stöckers Lubecavax?

Nein, die heilige Inquisition der Impfärzte, alle nett. Alle vom Produkt überzeugt, ausnahmslos. Aus allen Nischen des Impfcenters eilten sie nach und nach herbei. Ein Problem war aufgetreten, jemand war zwei Jahre zu jung für das, von der SIKO auf Ü60 festgelegte Vectorgebräu. Impfst Du ihn, impfst Du ihn, war die immer wieder verneinte Frage. Nein, keiner war bereit die SIKO Empfehlung zu ignorieren und selbst ins Risiko zu kommen. Wem SIKO jetzt nichts sagt, das ist die Sächsische Impfkommission, die wir uns als einziges Bundesland leisten.

So weit so gut, fünf der insgesamt acht versammelten Ärzte entschwanden. Mittlerweile hatte die “impfst Du ihn” Frage 10 Minuten verschlungen. Und nun begann die Inquisition: Warum ich kein mRNA möchte, “aus Glaubensfragen”, antwortete ich. laber, laber, sicher gut, nie Probleme. Ich zeigte mich gut informiert, nächster Überzeugungsangriff von drei Ärzten. Ja ein paar Problemchen habe es gegeben, aber ungetesteten Impfstoff von STÖCKER! “Lieber ungetesteten Peptid Impfstoff als mRNA” sagte ich und begann immer wieder bei der nächsten Runde neue Probleme anzusprechen. Die Runden haben wir drei oder vier mal gedreht. Keiner gab auf. “Haftung bei Impfschäden?” fragte ich. “Die Bundesregierung haftet”, lautete die Antwort…

Nach einer halben Stunde hatten sie mich so weit, ich hatte nämlich überdacht, dass ich nun 30km völlig umsonst durch die Gegend gegurkt bin, um Norbis Wünsche zu erfüllen und die Wahrscheinlichkeit gering ist, in Zittau die richtige Ärztin zu finden. “Moderna, darauf lasse ich mich vielleicht ein” sagte ich.

Die Inquisitoren entschwanden. Nur meine Erstkontakt-Ärztin blieb. “Gute Entscheidung Moderna zu wählen” meinte sie. Ich weiß, sagte ich “ich kenne die Studien bezüglich Männer und Frauen”, etwas verblüfft grinste sie. “Ja, und außerdem bietet Moderna den höchsten Schutz”, meinte sie noch und entschwand, da ich mit neuen Zetteln Runde zwei beginnen musste.

Neues Zettelwerk ausgefüllt, ich strebte Tor drei an, da war noch jemand in Bearbeitung, Tor zwei rief “Sie können auch zu mir kommen”. Ja konnte ich, auch er hatte die Daten und konnte Jonson durch Moderna ersetzen. Wartebereich 2. Der Ehemann meiner Ursprungsärztin, den ich in Runde 1 noch nicht erleben durfte, weil er als einziger gerade beschäftigt war, winkte mich ins Kabuff und sagte “Gute Entscheidung, auch Trump war mit Moderna geimpft, als er leicht erkrankte”. Wir haben dann versucht abzuklären, wo in vier bis sechs Wochen die Zweitimpfung in Zittau möglich ist, aber es war unklärbar. Mobile Impfkommandos sollen es richten, falls meine Hausartztpraxis kein Moderna besorgt.

“Sie können gleich dort rein gehen, die hat zarte Hände” meinte er noch. Er zeigte zum Kabuff schräg rüber, die Gardine war offen. Drin angekommen sagte etwas unwirsch eine junge hübsche, offenbar Handysüchtige Psycho- oder Physiotherapeutin: “ich telefoniere noch, warten Sie draußen”. 5 Minuten später rief sie “Sie können reinkommen” . Sie telefonierte immer noch. Brachte aber mit Handy am Ohr eine Spritze herbei, sprühte meinen Arm ein, telefonierte fleißig weiter, sprühte noch mal, weil das Zeug verflogen war “ich muss jetzt auflegen”, sagte sie dem Handy und legte es in eine Nierenschale. Plörr und so hatte ich meine erste Dosis Moderna.

Nach 15 Minuten warten am Ausgang bin ich 12:30 leicht schwankend rausgeeilt. Weiche Knie und unsicheren Gang hatte ich vor Moderna, ohne besoffen zu sein, nicht. Ich wäre lieber mit dem Taxi nach Zittau gefahren, aber es ging grad so.

Ich teile Uwes Bedenken, ein geschwollenes Gesicht habe ich (noch?) nicht, aber es ist getan.

TAG2: 

.

Über Gerald Fontaine 616 Artikel
In Anlehnung an Annalenas Lebenslauf: Gerald wurde in Zittau geboren. Er studierte zunächst an der Polytechnischen Oberschule 10 Jahre lang den glorreichen Sieg der Oktoberrevolution und die Vorzüge der Diktatur des Proletariats...... steckbrief-fuer-das-publikum Ja, das isses. Informatiker mit polnisch zuerkanntem Doktortitel, sozial engagiert, Journalist, Politiker, Jurist, Wirtschaftskapitän. Wählt mich! Ich hab die Haare schön.

2 Kommentare

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.




Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.