10 Dinge, die Sie tun sollten, bevor Sie einen Hund adoptieren…

Foto: (c) Bela F- Wolf
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Sie tragen sich mit dem Gedanken einen Hund aus dem Tierschutz zu adoptieren, hatten aber noch nie einen Vierbeiner?

Dann lesen Sie bitte in Ruhe diese Worte durch und setzen sie tunlichst auch um. Denn erst, wenn Sie diesen Test bestanden haben, sind Sie bereit sich nach Ihrem neuen besten Freund umsehen.

Wenn Sie „Kommissar Rex“ geschaut haben und nun den brennenden Wunsch verspüren, einen Rex zu sich nach Hause zu holen, dann darf ich Ihnen versichern: Sie werden enttäuscht sein. Ein Second Hand Hund aus dem Tierheim wird alles Mögliche für Sie sein, sobald er einzieht: Fitnesstrainer, Bodyguard, Mülltrenner oder sogar Gartendekorateur, eines wird er aber mit ziemlicher Sicherheit nicht sein: Der, den Sie im Fernsehen gesehen haben.

Wie Sie sich gründlich darauf vorbereiten können auf das, was möglicherweise auf Sie zukommt, erfahren Sie nun.

Führen Sie ein Jahr lang die nachfolgenden Übungen 1-10 konsequent durch. Krankheit oder schlechte Laune sind keine Ausrede, keine Zeit lasse ich nicht gelten!

1, Gehen Sie bei jedem Wetter aus dem Haus und latschen Sie dabei dreimal täglich eine halbe Stunde bis Stunde planlos in der Gegend herum. Gehen Sie davon aus, dass Ihr neuer Hund schlimmstenfalls keine anderen Hunde mag. Manche Hunde mögen keine Hündinnen, manche keine Rüden.

Üben Sie daher bei jedem Spaziergang eine Situation, die mit Sicherheit auf Sie zukommen wird, nämlich alle Leute, die Ihnen mit Hund entgegenkommen, schon von der Ferne zu orten und Ihnen von weiter weg die Frage zuzurufen, welches Geschlecht ihr Hund hat.

Scheuen Sie sich nicht, ausgiebig Kontakt zu anderen Hundehaltern zu suchen!

Bei jeder zweiten Begegnung mit einem fremden Hund üben Sie die Situation, dass Ihr neuer Hund weder Rüden noch Hündinnen mag, gleich mit. Das kommt öfter vor als Sie denken. In dem Fall ersuchen Sie die anderen, fremden Hundehalter höflich, Ihnen doch bitte in großem Bogen auszuweichen und ihren Hund anzuleinen. Sie werden draufkommen, dass allein diese alltägliche Situation alles andere als eine Quelle der Entspannung und der Inspiration ist (außer Sie möchten darüber Bücher schreiben wie ich!) und ganz nebenbei werden Sie auch noch mit menschlichen Abgründen konfrontiert, die Sie nie zuvor gesehen, gehört oder auch nur geahnt hätten!

(Sollte zufällig eine Katze Ihren Weg kreuzen, rennen Sie so schnell wie möglich hinter ihr her.)

2, Bei Ihren täglichen Übungsspaziergängen ersuchen Sie alle Hundehalter mit freilaufendem Hund ihren Hund sofort!!! anzuleinen. Sie werden sehen, Punkt 1 ist in Sachen Wortschatzerweiterung unschlagbar. Sie werden ab sofort ein Schimpfwörtervokabular Ihr Eigen nennen, das Edmund Sackbauer erblassen lässt. Wenn die von Ihnen aufgeforderten fremden Hundehalter dennoch mit ihren unangeleinten Hunden direkt auf Sie zusteuern, bleiben Sie kurz stehen und stellen sich vor, was in diesem Fall geschehen könnte, wenn Ihr zukünftiger neuer Hund dabei wäre, der andere Hunde leider nicht leiden kann.

Es würde sehr laut werden und es könnte Blut fließen. (Ihres, das Ihres Hundes und/oder auch fremdes…) Es wird auf jeden Fall immer aufregend sein, sobald Sie mit Ihrem Hund das Haus verlassen und das wird bestenfalls zehn bis vierzehn Jahre lang so weitergehen. Tag für Tag. Nacht für Nacht.

Vielleicht mag oder kann Ihr Neuer nicht alleine bleiben, spielen Sie das Szenario daher ebenfalls gründlich durch. Ein Jahr lang gilt nun für Sie: Wann auch immer Sie aus dem Haus gehen möchten (Einkaufen, Arztbesuch, Müll raustragen…) , planen Sie das vorher mit einem guten Freund, der Hunde mag, einer Hundesitterin oder einem Familienmitglied in den Tag ein. Diese Person kommt ab sofort zu Ihnen bevor Sie das Haus wofür auch immer verlassen können und wartet, bis Sie wieder zurück sind. (Tipp: Buchen Sie vorher rechtzeitig einen Psychologen und einen Yoga Kurs!)

Bevor ich es vergesse: Machen Sie täglich Lärm, um eventuelle Nachbarn auf Geheul oder Gebell vorzubereiten falls Sie mal keinen Hundesitter finden. Streichen Sie Urlaube, Kinobesuche, spontane Ausflüge und alle anderen Veranstaltungen aus Ihrem Leben.

Ihr neuer Hund könnte ein Entweichungskünstler sein oder Angst vor Feuerwerk haben und spätestens dann entweichen wollen, üben Sie auch das. Stellen Sie dazu einen Wecker auf irgendeine Uhrzeit, bei der Sie blitzartig alles liegen und fallen lassen müssen um so, wie Sie gerade sind (nasse Haare, nackte Füße, Bademantel, keine Kontaktlinsen etc.), aus dem Haus zu rennen und hinter einem beliebigen, sehr schnell vorbeifahrenden Auto herzulaufen und gleichzeitig laut einen Namen zu brüllen und zwar so lange, bis Sie das Auto mit der Hand berührt haben.

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3, Schöne hohe Schuhe, gepflegte Kleidung und teure Handtäschchen können Sie getrost im Schrank verräumen, wegwerfen oder verschenken, denn sobald Ihr neuer Freund bei Ihnen einzieht, werden Sie täglich voller Hundehaare, Hundespucke, Hundesabber, Schnee, Salz, Futterkrümel, Erde oder Kot sein. Ihre Lieblingskleidungsfarbe wird immer die Farbe Ihres Hundes sein, denn da sieht man Hundehaare am wenigsten. Daher sollten Sie sich für ein einfärbiges Tier entscheiden, da zwei oder drei Farben von Hundehaaren weitaus schwieriger in der Farbauswahl von Hose, Mantel oder Rock zu managen sind.

Zu Übungszwecken gehen Sie in ein Frisörgeschäft und vereinbaren dort die wöchentliche Übernahme abgeschnittener Haare, welche Sie in einem Karton mitnehmen. Zuhause verteilen Sie täglich ein oder zwei Hände voll dieser Haare überall im Haus, zwanglos auf allen Teppichen, unter Schränken, im Bett, auf Ihrem Gewand und in Ihren Handtüchern. (Empfehlenswert ist die vorherige Anschaffung eines Industriestaubsaugers.)

Ihr Hund wird zweimal jährlich zusätzlich stärker als sonst Haare verlieren, außer Sie entscheiden sich für einen Schlittenhund. Schlittenhunde haaren ganzjährig, 365 Tage im Jahr immer gleich stark, tägliche gefühlte zwei Kilo. Allerdings müffeln sie dafür nicht nach Hund, was aber andere Hunde dazu animiert, sie als wilde Wölfe wahrzunehmen und Sie und Ihren Hund in äußerst unangenehme Hundediskussionen zu verwickeln, die meistens zu Ungunsten des Nicht-Schlittenhundes ausgehen, außer Sie treffen auf Pitbull, Kangal und Co, wo es unentschieden endet. Schließen Sie daher als Ersthundehalter alle Hunde mit Schlittenhundanteil von vornherein aus Ihrem Adoptionsschema aus. Glauben Sie mir, ich bin einer, der es wissen muss. Ich hatte einen Akita und habe aktuell eine Malamute-Husky-Schäferhund Mischling. (Salopp bedeutet das: Ich entscheide, ich gehe wohin ich will und ich verteidige dich gegen alles und jeden, aber kompakt in einem Tier vereint)

Warum Sie es besser lassen sollten, einen Höllenhund zu adoptieren, wenn Sie nicht Punkt 1-10 geschafft haben, lesen Sie hier nach. Erkundigen Sie sich rechtzeitig nach einer guten Rechtsschutzversicherung.

4, Als Nichthundehalter fahren Sie vielleicht ein gepflegtes Auto. Gehen Sie daher zu Ihrem Auto, verabschieden Sie sich in Würde oder machen Sie ein Abschiedsfoto. Dann nehmen Sie einen Kübel mit Erde und Wasser (falls vorhanden, geht auch dreckiger brauner Schneematsch vom Straßenrand) und verteilen Sie die Flüssigkeit mit der flachen Hand zügig über Autositze und Fensterscheiben.

Nur zu, seien Sie nicht zu sparsam! Anschließend streuen Sie ein paar Haare darüber und fahren mit einem Eisenkamm, Rechen oder was Sie gerade an spitzen Gegenständen bei der Hand haben intensiv an der Polsterung und den Plastikverblendungen unter den Fenstern auf und ab. Zuletzt werfen Sie sich mit voller Kraft von innen gegen die Türen und die Fensterscheiben.

Hoppla, fast haben wir da was vergessen! Hier fehlt noch der Geruchstest! Dazu verwenden Sie Bergkäse, den Sie irgendwo im Auto deponieren und dort über Wochen liegen lassen. Um dieses Szenario zu beseitigen putzen Sie Ihr geliebtes Auto. Wiederholen Sie die Übung ein paar Wochen lang und Sie werden sehen, irgendwann hören Sie auf zu putzen und werfen einfach eine Decke über alles. Das stärkt das Ego! Ein teures Auto ist ohnehin nur ein Statussymbol, das keiner braucht. Tauschen Sie Ihres also rechtzeitig gegen einen alten SUV ein, dem solche Kleinigkeiten nichts ausmachen.

5. Sie lieben Teppichböden? Sie denken, die paar Hundehaare von Übung 3 kriegen Sie schon in den Griff? Sie haben die Rechnung ohne den Magen gemacht. Sie wissen es vielleicht nicht, aber ausnahmslos alle Hunde ziehen es vor, sich auf teuren Teppichen zu übergeben. (Hunde übergeben sich auch gerne auf frisch bezogenen Betten und neuen Sofas, aber das ist schon ein Thema für Fortgeschrittene.)

Frisst ein Hund Gras, weil ihm übel ist, er zu viel Salzsäure im Magen hat, das Wetter wechselt oder aus uns völlig unbekannten Gründen, übergibt er sich eben. Gerne auch vor Publikum!

Das üben Sie nun, indem Sie ein paar Büschel Grashalme ausreißen, diese in einen Topf mit Wasser geben und satt Currypulver drüberstreuen. Gut umrühren. Kurz aufkochen lassen und dann die Hälfte davon rasch auf den besten weißen Hochflauschflor-Teppich im Haus leeren! Drei bis fünf Minuten abwarten, dann den Rest aufs Sofa schütten. Diese Übung wiederholen Sie mindestens einmal im Monat.

Bitte beachten Sie, dass Sie beim Putzen keine scharfen, ätzenden oder stark reizenden Putzmittel verwenden dürfen. Diese schädigen die Hundenase.

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6. Diese Übung ist relativ lustig, da Sie im Sommer in jedem Raum mit Wasser gefüllte Schüsseln aufstellen dürfen, die Sie täglich mehrmals auswaschen und das Wasser wechseln. (Im Winter ist sie weniger lustig, da Sie sicher irgendwann nachts unausweichlich in eine dieser Schüsseln tappen werden und/oder das Wasser sich auf ihre Füße und/oder den ganzen Boden ergießt.)

Ihr Hund trinkt mit der Zunge, also schütten Sie beim Hinstellen und Wechseln immer ordentlich Wasser auf Ihren Parkettboden und plantschen Sie dabei munter in den vollen Schüsseln herum. Spritzen Sie das Wasser auf Wände und Einrichtungsgegenstände, denn der Hund macht das ja auch.

Im Winter ziehen Sie NIEMALS Ihre dreckigen Stiefel aus, sondern trampeln Sie damit direkt nach dem Nachhause kommen überall im Haus herum. Springen Sie dabei ruhig unbekümmert aufs Sofa, ins Bett oder auf den Küchentisch! Nur Mut! Sie schaffen das! Verbrauchen Sie dabei alle Handtücher, Geschirrtücher und Küchenrollenvorräte. Übung macht den Meister.

Wenn Sie damit fertig sind, leeren Sie den vollen Müllbeutel in einen Wohnraum Ihrer Wahl. Räumen Sie alles wieder weg. Schlimm? In Wirklichkeit ist es noch viel schlimmer. Ihr Hund wird Essbares und Nicht-Essbares aus dem Müllbeutel auffressen und übergibt sich dann auf den Teppich. (siehe Punkt 5)

7, Apropos Essen: Hunde leben nicht nur von der Liebe, sie essen auch gerne. Meistens essen sie nur das, was ihnen schmeckt, aber nicht bekommt. (Hunde würden Wurstsemmeln kaufen.) Kaufen Sie daher zu Übungszwecken ein paar tote Hühner und nehmen Sie diese aus. Kochen Sie täglich rohes Fleisch und Kutteln, um sich an den Geruch und die Arbeit zu gewöhnen.

8, Auch Hunde werden krank und Tierärzte sind nicht billig. Legen Sie daher mindestens zweihundert bis dreihundert Euro pro Monat für mögliche Tierarztkosten und mindestens hundert bis zweihundert Euro für Futter, Spielzeug, hilfreiche Literatur, schicke Leinen und Naschereien beiseite.

Ihre Übung besteht nun darin, den Wecker auf drei Uhr morgens zu stellen, beim Läuten sofort aus dem Bett zu springen und so wie Sie sind aus dem Haus in den Garten zu rennen. Wo Sie dann mindestens zehn Minuten lang stehen bleiben, laut einen beliebigen Namen schreien und warten. Dann trampeln Sie mit ihren dreckigen Füssen auf allen Böden herum und stellen den Wecker auf zehn Minuten später. Diese Übung ist einmal pro Monat bis zum Morgengrauen zu wiederholen. Durchfall oder Blasenentzündung kann auch beim Vierbeiner hartnäckig sein!

9, Sollten Sie sich einen großen bis sehr großen Hund wünschen und keine Ahnung von Hunden haben, ist folgende Übung geradezu essentiell: Kaufen Sie einen fünfzig Kilo schweren Zementsack im Baumarkt und stecken Sie ihn in einen Kissenbezug. Anschließend heben Sie den bezogenen Sack täglich mehrmals ins Auto und wieder heraus. Vielleicht hat Ihr Hund keine Lust oder kann nicht hoch springen, dann müssen Sie ihn aus dem Auto heben. Manchmal hat er auch keinen Bock auf der Straße weiterzugehen.

Das üben Sie am besten auf einer Hundewiese, die möglichst gut besucht ist. Stellen Sie sich mit Ihrem Zementsack mittig auf der Wiese auf, binden Sie einen Strick um den Sack und ziehen Sie den Sack bis zum Auto zurück, während Sie laut „Jetzt komm endlich! Wir gehend da lang!“ rufen.

Wenn Sie verschwitzt zuhause angekommen sind, gehen Sie sofort online und in eine Hundegruppe, wo Sie Ihr Problem schildern und dabei auch Worte wie Dominanz, Millan, Vegan, Alphawolf, Barfen oder Impfen einstreuen. (Tipp: Richten Sie vorher ausreichend Chips und Bier her!)

10. Das Beste kommt bekanntlich zum Schluss: Hundekacke muss auf der Straße (und auch im eigenen Garten) entsorgt werden, dazu schuf die Stadt Wien als Anreiz Plastiksackerlautomaten für Hundeexkremente mit wunderbar unlustigen Sprüchen drauf wie „Nimm ein Sackerl für mein Gackerl!“ und als Strafe 80 Euro, falls Sie doch keines nehmen möchten.

Ihre letzte Übung besteht nun darin, dreimal täglich ein öffentliches WC aufzusuchen, (Zuhause geht natürlich auch, nur wer hat schon so einen frequenten Stuhlgang), dort die Kacke fremder Leute mit einer Hand, die in besagtem Plastiksackerl fürs Gackerl steckt, abzukratzen und mit sich herumzutragen, und zwar so lange, bis Sie einen Mülleimer finden. Alternativ klauben Sie einfach Würstel und Haufen fremder Hunde in Parkanlagen auf und tragen Sie durch die Gegend. Ja, auch im Hochsommer!

Haben Sie ein Jahr lang alle zehn Dinge problemlos gemeistert, sind Sie eventuell darauf vorbereitet, wie Ihr neues Leben aussehen wird.

Wollen Sie das wirklich? Ganz sicher? Sind Sie immer noch fest entschlossen, einem fremden Hund ein neues Zuhause zu geben und Ihr eigenes Leben völlig auf den Kopf zu stellen? Auf viele Dinge zu verzichten, oft zurückzustecken, Zeit und Geld zu investieren, Freunde zu verlieren?

Da wäre noch eine Kleinigkeit, die ich Ihnen dringend sagen muss! Ich konnte Sie zwar darauf vorbereiten, was passiert, wenn der neue Freund einzieht. Nicht vorbereiten kann ich Sie aber auf diese Lawine der bedingungslosen Liebe, die Sie überrollen wird, wenn Ihr Hund Sie ins Herz geschlossen hat.

Und das war dann Punkt 1-10 wert.

Herzlichst, Ihr Bela Wolf

www.tierarzt-wien.com

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