NATO-Strichjunge ist etwas hart, aber Versager…

CC0 - Photo via Good Free Photos

Irgendwie verstehe ich die ganze Bundesregierung und die EU – welche bereitwillig in Sachen Giftanschlag auf die Skripals dem Geschrei “Russland ist Schuld” von May und Johnson folgen, als ob es keine andere Möglichkeit gäbe – nicht.

Besonders komisch finde ich, dass Außenminister Heiko Maas (SPD) und auch die EU den britischen Zirkus mitmachen, ohne das ein einziger konkreter Beweis existiert. So etwas wäre Sigmar Gabriel vermutlich nicht passiert.

Inzwischen beginnen ja einige Mainstream Medien wie z.B. NTV vorsichtig zurückzurudern und verkünden: mittlerweile seien Zweifel bekannt geworden, dass es sich um ein russisches Nervengift gehandelt habe…

Mittlerweile ist nur das falsche Wort, wer es wissen wollte, konnte dies auch schon vor zwei Wochen recherchieren. Die Giftexperten von Porton Down haben sich nämlich niemals zu der Aussage hinreißen lassen, dass es sich um ein russisches Nervengift handeln würde. Sie sprachen immer nur vom Vorhandensein eines Nervenkampfstoffs der Novichok-Klasse oder eines eng damit verwandten Wirkstoffs. 

Die russische Herkunft hat dann Theresa May und ihr Außenminister Boris Johnson wieder besseres Wissen hineingedichtet. Mitte März hat die britische Regierung eine förmliche Einladung an die Generaldirektion der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW), ein Expertenteam nach Großbritannien zu entsenden, “um bei der technischen Unterstützung zu helfen und die von Porton Down durchgeführte Analyse unabhängig zu überprüfen”, ausgesprochen. Schon da war klar, dass eine derartige Untersuchung durch die OPCW mindestens 2 Wochen dauert.

Was Porton Down bisher gefunden hat, ergibt sich aus einer Anhörung des High Court am 20.-22. März

I) CC: Porton Down Chemischer und biologischer Analyst: Blutproben von Sergei Skripal und Yulia Skripal wurden analysiert und die Befunde zeigten die Exposition gegenüber einem Nervenmittel oder einer verwandten Verbindung an. Die Proben wurden positiv getestet  auf das Vorhandensein eines Novichok-Klasse oder eng damit verwandten Nervensgifts.

Und das ist der momentane Kenntnisstand, diesen gibt es schon unverändert seit Anfang März.

Jetzt muss sich zeigen was die OPCW Tests, welche vermutlich nächste Woche vorliegen werden, ergeben. Möglich dass sich daraus eine konkretere Spur ergibt.

The Times ist sich inzwischen (5.4.18) fast zu 100% sicher, dass das Gift aus Russland stammt, konkrete Quellen fehlen allerdings, vermutlich wieder einmal Fake-News um May und Johnson den Rücken zu stärken. 

Großbritannien wusste von der Existenz der Einrichtung, in der das Novichok-Gift vor dem Angriff am 4. März hergestellt wurde. Eine Whitehall-Quelle fügte hinzu: “Wir wussten so ziemlich genau zur Zeit der ersten Cobra [der Notfall-Koordinierungsbesprechung, die in der gleichen Woche stattfand], dass sie mit großer Wahrscheinlichkeit aus Russland kommen würde.” Quelle: The Times

Übrigens haben 2016 Iranische Wissenschaftler 5 Varianten von Nervengiften aus der Novichok-Gruppe hergestellt, dies geschah in Zusammenarbeit mit der OPCW.

GC / MS und LC-MS / MS zur Erkennung von Novichok-Erregern
Die iranischen Forscher synthetisierten fünf “Novichok” -Agenten sowie vier deuterierte Analoga. Sie waren alle O-Alkyl-N- [bis (dimethylamino) methyliden] -P-methylphosphonamidat-Verbindungen (d. H. Moleküle mit der typischen Nervenzell-Phosphor-Gruppe, die an N, N, N’N’-Tetramethylguanidin gekoppelt war). 

steht schon seit Januar 2017 in einigen wissenschaftlichen Publikationen. Auch hier ist eine solche Information zu finden https://blog.fdik.org/2018-03/s1521348039
Rubikon hat einen umfangreichen Fragenkatalog zum Thema veröffentlicht.

Wem nützt es?

Also ist nicht nur Russland, wie immer behauptet wird, dazu in der Lage ein “Novichok” Nervengift herzustellen. Vermutlich ist zur “Novichok-Produktion” jedes gut ausgestattete staatliche oder private Labor in der Lage.

Aufgrund der guten Beziehungen zwischen Nordkorea und dem Iran wäre es sogar möglich, daß Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un die Finger im Spiel hat, das Rezept könnte er von seinen Iranischen Freunden bekommen haben. Und auch Kim Jong Un hat zur Beseitigung seines Halbbruders schon auf Chemiewaffen gesetzt.

Ich finde es unverantwortlich, daß man sich vor dem Vorliegen von konkreten Beweisen zu Sanktionen und öffentlichen Schuldzuweisungen hinreißen läßt. Aber ein bisschen Krise mit Russland passt wohl allen in den Kram und lenkt so schön vom Brexit ab. Auch bei den anstehenden britischen Kommunalwahlen könnte es helfen. Abgesehen davon konnte man vermutlich schneller mit der EU zu einer Einigung bezüglich Verschiebung des Brexit kommen. 

Ich frage mich nur besorgt, haben wir nicht für derartige Dinge einen Schwarm von Schlapphüten, Heerscharen von politischen und wissenschaftlichen Beratern, Rechercheuren und etwas gesunden Menschenverstand? Und was ist eigentlich aus dem Prinzip im Zweifel für den Angeklagten geworden?

Mittlerweile hat ja nun am 6.4. eine UN-Sicherheitsratssitzung zum Thema stattgefunden. Der Russische UN Botschafter Wassili Nebensja sagte zu seiner britischen Kollegin Karen Pierce:

Wir werden von Ihnen eine Antwort auf unsere Fragen fordern. Und wenn Sie uns diese Antwort verweigern, werden wir dies als Eingeständnis werten, dass Sie nichts als Verleumdung und üble Nachrede betrieben haben.

Wir werden von Ihnen eine vollwertige Zusammenarbeit in Sachen Skripal fordern. Und wenn Sie uns dies verweigern, werden wir dies als einen Versuch werten, die Wahrheit zu verbergen.

Richtig so, auch ich fordere von der Bundesregierung: fordern sie von Großbritannien lückenlose Aufklärung und weisen Sie britische Diplomaten aus, falls diese Aufklärung nicht innerhalb einer Woche erfolgt. Von der EU erwarte ich Sanktionen gegen Großbritannien. 😉

Update

Inzwischen (9.4.) hat Großbritannien den “ultimativen” Beweis: wie Express meldete haben britische Stellen am 4.März eine Nachricht abgefangen.

OFFENBARUNG: Die Bombe russische Nachricht am Tag der Giftvergiftung abgefangen
Eine elektronische Nachricht an Moskau, die an dem Tag gesendet wurde, an dem der ehemalige russische Spion Sergei Skripal und seine Tochter Yulia in Salisbury mit einem Nervenmittel vergiftet wurden, enthielt den Satz “das Paket wurde geliefert”.

Craig Murray findet die Pronaganda seiner Regierung nur noch bizarr. Da kommt die Eskalation in Syrien gerade recht, um vom Thema Skripal abzulenken, welches langsam medial in die Hose geht.

 

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