Altweibersommer?

pixabay - gemeinfrei

Zur Zeit haben wir den herrlichsten Altweibersommer bei uns in Norddeutschland. Über 20° um die Mittagszeit bei strahlendem Sonnenschein. Ein paar Unentwegte liegen noch mal – mehr oder weniger unbekleidet – an den Baggerseen herum, und viele Leute, von denen man nicht sicher war, ob sie noch leben – zumal nach all der Coronahysterie – erscheinen wieder im Tageslicht und gehen spazieren. So, als würde die Sonne anschließend niemals wieder aufgehen.

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Auch ich liebe dieses letzte Aufbäumen des Sommers, ohne drückende Hitze und lästige Insekten. Sozusagen das Beste zum Schluss – wenn es denn stattfindet, denn mittlerweile ist ja selbst auf den Klimawandel kein Verlass mehr.

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Meteorologisch betrachtet

scheint dieses Wetterphänomen zumindest auf der Nordhalbkugel weit verbreitet und bekannt zu sein. In Nordamerika als “Indian Summer” bezeichnet (offenbar auf die Haupt-Jagdsaison der Indianer Bezug nehmend), in Schweden “Brittsommar” (nach der Heiligen Birgitta) und in den Ländern im Osten interessanter Weise ebenfalls “Altweiber-Sommer” genannt:

Ungarisch “vénasszonyok nyara”, vénasszony = Alte (altes Weib);

Slawisch (mit leichten sprachlichen Abweichungen je nach Nation) “babie lato”, baba = Alte.

Bekannt, nicht nur aus den “Bildern einer Ausstellung” (Mussorgski), ist auch die slawische Sagengestalt Baba Jaga, eine Art alte Hexe, weiblicher Rübezahl oder ähnliches.

Bleibt die Frage: Warum alte Weiber?

Das Vorkommen auch in anderen Sprachen beweist, dass es sich nicht um eine phonetische Verwechslung mit “Weben” (Spinnweben) handelt, wie oft vermutet wird. Letzteres scheint eher für den norddeutschen Begriff “Mädchensommer” zu gelten, der seinen Ursprung in der Bezeichnung “Metten” (Mettensommer) hat, für die in dieser Jahreszeit an Fäden herumschwirrenden Baldachinspinnen. Wobei nicht Mädchenhaare sondern kleine Maden (Metten) im weiteren Sinne gemeint sind. Norddeutsch Mädchen wäre “Deern”, “Maid” oder “Meitje”.

Zweiter Frühling

Offenbar ist eben doch der zweite Frühling alter Frauen (Menschen) gemeint. Dafür spricht auch der bayerische Begriff “Ähnlsummer” (Altherrensommer) und der schweizerische Begriff “Witwesömmerli”.

Wie sang schon ein gewisser österreichischer Sänger so treffend: “Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an …”

Auch Astrid Lindgren bringt es auf den Punkt:

“Es gibt kein Verbot für alte Weiber, auf Bäume zu klettern”

Ist das auch politisch korrekt?

1989 befand das Landgericht Darmstadt, dass der Begriff “Altweibersommer” nicht diskriminierend für alte Frauen sei. Gut, dass das geklärt wurde 😉


Dieser Beitrag erschien zuerst auf f+f  Altweibersommer? – von Pommes | fisch+fleisch (fischundfleisch.com)

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