Dieselgipfel – viel Wind um nix

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By Berserkerus (Foto) [GFDL, CC-BY-SA-3.0 or CC BY 2.5], via Wikimedia Commons

Wieder einmal ist die Automobilindustrie ungeschoren davongekommen.

Mit ein paar läppischen Softwareupdates wird “Dieselgate” aus der Welt geschafft. Wer nach dem Dieselgipfel wieder mal draufzahlt, ist der Verbraucher und die stickoxydbelasteten Bürger. Dabei gibt es ein funktionierendes Nachrüstsystem (Twintec´s Euro-6-Nachrüstsystem (BNOx-SCR-System) für Neu- und Gebrauchtwagen), welches die Abgaswerte nachweislich um bis zu 90% reduziert. Allerdings kostet eine derartige Nachrüstung ca. 1000 – 1500 Euro.

Dobrindt hat Mutti´s Vorgaben, sowie die Vorgaben der Autoindustrie top umgesetzt, und wird sicherlich später mit einem guten Posten im VDA belohnt werden. 

Übrigens, wie VW Chef Müller betonte, hat die deutsche Wirtschaft nicht versagt – konkret “kein unternehmerisches Versagen”. Stimmt, versagt hat die Politik. 

Im realen Betrieb gemessene Euro5 und 6 Fahrzeuge (eine öffentlich zugängliche Liste gibts hier) überschreiten die Grenzwerte (180 mg NOx pro Kilometer bei Euro 5-Fahrzeugen und 80 mg bei Euro 6-Fahrzeugen) zum großen Teil erheblich. Dabei zeigen einige Modelle wie der Mercedes E200d der neuesten Motorengeneration und der Audi A5 2.0 TDI mit 43 und 40 mg/km, dass es möglich ist die Werte einzuhalten, oder sogar deutlich zu unterbieten.

Manche Euro5 und 6 Diesel stoßen mehr Schadstoffe aus als vergleichbare Euro4 Modelle. siehe Grafik vom Umweltbundesamt.

Quelle: Umweltbundesamt

Beispiele gefällig? Volkswagen Passat 2.0 TDI BMT Diesel Euro5 Grenzwert NOx 180mg, Prüfstandmessung 177mg –  Messungen im realen Betrieb: 1.184; 719; 991; 919; 965 – Ok, sagen wir im Schnitt 900mg, Diese 900mg sollen nun also um 25% auf 675mg reduziert werden – toll! 
Renault Grand Scenic 1.6 dCi130 Diesel Euro6  soll NOx 80mg, Prüfstand 383mg – realer Betrieb 1.187; 805; 820: 850; 937 im Schnitt also 900mg – mehr als das elffache des für Euro6 gültigen Grenzwertes…

Dazu das Umweltbundesamt: “Diesel-PKW überschreiten die Euro-Grenzwerte für Stickstoffdioxid (NOx) auf der Straße noch deutlich stärker als bislang angenommen. Ging man für das Jahr 2016 bislang von 575 mg NOx/km aus, liegt nun die Diesel-Pkw-Flotte in Deutschland bei durchschnittlich 767 mg NOx/km”, so das Umweltbundesamt. Auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat getestet, Die DUH führte die Tests in den Wintermonaten bei Außentemperaturen zwischen minus 5 Grad Celsius und maximal plus 16 Grad Celsius durch. Lagen die Stickoxidemissionen (NOx) bei den Messungen im Sommerhalbjahr maximal 9,2-fach über dem Grenzwert von Euro 6, so stiegen sie bei den Wintermessungen bis zum 17,2-fachen an. Die DUH rechnet nicht mit einer wesentlichen Absenkung der Schadstoffkonzentration in Ballungsräumen. Die derzeitigen Maßnahmen bewirken vielleicht eine Reduzierung der Schadstoffkonzentration um 2% so die DUH.

Trotz all dem – einziges Ergebnis des Dieselgipfels, die deutschen Automobilhersteller verpflichten sich, bis zu 2,8 Millionen Diesel-Fahrzeuge der Schadstoffklassen Euro 5 und 6 mit neuer Software auszustatten, das kostet ca. 500 Mio € und ist im Vergleich zu den von VW in den USA gezahlten Strafen ein läppischer Betrag. Zusätzlich sollen 250 Mio in einen gemeinsamen Fonds für saubere Mobilität fliessen. – Lächerlich!

Die Aktualisierung der Software soll den Schadstoffausstoß um ca. 25 % verringern. Zu den technischen Details schweigen die Hersteller weitgehend, vermutlich werden die “Motorschutz-Thermofenster” etwas nach unten verschoben, Langzeittests der Updates gibt es nicht. “Es habe keinen Einfluss auf Motorleistung, Verbrauch oder Lebensdauer”, wird versprochen. Das erlebte mindestens ein VW-Besitzer allerdings anders, nach Software Update hatte sein Wagen 10 PS Leistung eingebüßt. Auch eine Steigerung des Durchschnittsverbrauches um ca. 5% liegt im Bereich des Möglichen.

Die Aktienkurse der Automobilkonzerne stiegen leicht an, nachdem erste Details zu den Einigungen durchgesickert waren…

Allerdings dürfte sich die deutsche Automobilindustrie mit der weichgespülten Aufarbeitung von “Dieselgate” selbst einen Bärendienst erwiesen haben, Börse-onlime meldete:

STUTTGART (dpa-AFX) – Besitzer älterer Dieselwagen müssen nach einer Entscheidung des Stuttgarter Verwaltungsgerichts weiter mit Fahrverboten rechnen. Die geplanten Software-Updates, die beim nationalen Diesel-Gipfel am 2. August festgeklopft werden sollen, seien kein adäquates Mittel zur Verbesserung der Luft, argumentierte Verwaltungsrichter Wolfgang Kern am Freitag. Er machte klar: Der Gesundheitsschutz in der Stadt sei höher zu bewerten als die Interessen der Diesel-Fahrer. Das Land muss seinen Plan zur Luftreinhaltung in Stuttgart deutlich nachbessern.

Vermutlich bedeutet das langfristig das Ende für den Dieselmotor in PKW´s. 

 

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