Ab sofort soll die sächsische Justiz geschlechtergerechte Sprache verwenden

GDJ (CC0), Pixabay

Sachsen führt ein geschlechtergerechtes Schriftdeutsch in der Rechtssprache ein, beschloss die grüne Justizministerin Katja Meier. Und die sächsische Staatsregierung jubelt ihr zu.

Die Tragweite dieser Neuerung ist nur wenigen bewusst. Nach uralter Sitte war es in Deutschland jedem erlaubt, zu reden wie ihm der Schnabel gewachsen war, und zu schreiben, wie es ihm gefiel. Einzige Bedingung: Es musste verständlich bzw. lesbar sein. Danach kehrte Ende des 19. Jahrhunderts durch Konrad Duden etwas mehr Ordnung ein. Es gab Regeln für die Rechtschreibung und danach noch einige weitere Reformen.

Die Rechtschreibreform von 1996 und die Nachbesserungen 2004 und 2006 machten deutlich, dass die Sprache keine logische, sondern eine historisch gewachsene Sache ist. Man kann die Reformen höchstens als teilweise gelungen bezeichnen. Jetzt kommt neuerdings das Gendern nach sprachfeministischen Vorschriften und nach Gutdünken des jeweiligen Verfassers hinzu. Die Sprache soll „geschlechtergerecht“ gemacht werden.

Wie darf ich mir das vorstellen? Läuft das jetzt nach den Regeln der Uni Leipzig ab, Frau Minister (pardon: Ministerin oder vielleicht doch Ministernde) Meier? Werden wir jetzt sprachlich alle weiblich? Wird das generische Femininum zum Standard? Dann wird es interessant. Die Ministerpräsidentin Michael Kretschmer weiß noch gar nicht, was auf sie zukommt. Aber vielleicht benennt sie sich ja in Michaela um. Es wird natürlich wieder eine Stange Geld kosten, und Gesetze und Verordnungen werden noch undurchschaubarer, vor allem für diejenigen, die ohnehin schon Schwierigkeiten mit der Sprache haben. Danke!

Schon das verstehende Lesen und Anwenden des sächsischen Wahlgesetzes zur letzten Landtagswahl war ja für den Landeswahlausschuss – trotz juristischer Begleitung – ein Problem. Man stelle sich das Werk nun auch noch in Genderdeutsch vor! Geile Nummer! Den Trend hat Horst Seehofer treffend beschrieben, als er vor ein oder zwei Jahren sinngemäß sagte „Wir versuchen Beschlüsse möglichst kompliziert zu formulieren, damit keiner dahinterkommt, was wir beschlossen haben, bis es beschlossen ist …“ oder so.

Jetzt im Ernst: Das Vorhaben der Justizministerin ist ein weiterer großer Schritt in die falsche Richtung. Nur 10% der deutschen Bevölkerung befürworten das Gendern und wenden es (teilweise) an. Je nach Befragung sind 60% bis 80% dagegen, 15% ist es egal. Aber für die Manipulation in eine bestimmte Richtung ist es ganz wichtig. Es ist eine feministische Agenda, die hier der Mehrheit der Sprecherinnen und Sprecher von einer akademischen Minderheit übergestülpt werden soll. Auf gut deutsch: Es ist undurchdachter Aktionismus mit ideologischem Beigeschmack.

Noch geiler für die Verhunzung der deutschen Sprache wäre natürlich eine Mischung aus Binnen-I, Gender_Gap, Idiotenstern* SchlussX und Leipziger Uni-Regeln. Damit könnte man regelrechte Glaubenskriege auslösen.

Anwaltende Anwält(e)_innen könnten sich dann noch besser in Auslegungsfragen zu Verstößen ihrer Mandant(en)Innen verstricken. Im Zweifel für (den/die) Angeklagt(e/n)Innen! (Die/Der) Richter*in wird es schon richten. Vermutlich erkennt man sächsische Jura studierende Student(en)*innen demnächst schon am irren Blick.

Ich hätte da einen anderen Vorschlag: Wir ersetzen einfach bei Worten mit Endung “in” diese gegen “ende”, streichen “der” und “die” aus der deutschen Sprache und verwenden immer “das”. Das wäre auch optimaler für die weiteren 66 Geschlechter.

Also: Das Richtende wird es schon richten, es sei denn das Anwaltende vertritt das Angeklagte richtig. Doof war, dass das Zeugende bezeugte, dass das Angeklagte das Täterende war. Es hatte das Hündende auf das Rasen koten lassen. Dadurch wurde das Katze das Nachbarende so sehr erschreckt, dass es das Autoscheibe zerkratzte.

Na, alles verstanden? Wer sich tiefer in die Materie einlesen möchte und stichhaltige Argumente gegen das Gendern sucht, wartet auf die sächsischen Gesetzestexte oder macht sich besser mal vorab bei Paul Pfeffer ein Bild.

P.S.: Ich danke Paul Pfeffer von Edition Pauer für seine redaktionelle Mitarbeit, dadurch kam es zu wichtigen Ergänzungen meines ursprünglichen Textes.

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