Digitalpakt, große Erwartungen aber…

G.F.

Meine Erfahrungen sind anders

Es gab vor Jahren die Initiative Schulen ans Netz. Bis Ende 2001 wurden alle rund 34.000 allgemein- und berufsbildenden Schulen in Deutschland mit einem Internetanschluss versorgt. PC-Kabinetts wurden eingerichtet und nun sollte es eigentlich losgehen mit dem digitalen Zeitalter. Doch so richtig ist daraus nichts geworden. Als ich 2010 und 2011 sowie 2013 in verschiedenen Schulen war, hatten diese Schulen eines gemeinsam: Der Zugang zum Internet war für Schüler blockiert.

Natürlich bestand die Möglichkeit den Zugang einzuschalten, dazu musste nur ein Schlüssel geholt, ein verschlossener Serverschrank geöffnet und das Kabel eingestöpselt werden. Ich weiß nicht, ob das jemals ein Lehrer getan hat. Viel zu heikel die Jugendlichen ins Netz zu lassen. Zum einen haben einzelne Schüler oft mehr Wissen als manche Lehrer und zum anderen sind da ja noch solche Dinge wie Cybermobbing, Urheberrechte, Pornoseiten und was das Netz noch so alles an Herausforderungen bereithält. Auch die Virengefahr ist nicht zu unterschätzen.

Medienkompetenz

Lehrer mit Netzwerkkenntnissen und der Befähigung auch mal selbst einen PC zu konfigurieren sind rar. Das wird auch mit dem neuen Digitalpakt nicht anders werden. Bei einigen Pädagogen bestehen ohnehin Bedenken ob sich das Lernen verbessert, wenn Inhalte nicht nach und nach logisch auf der Tafel entstehen, sondern, flupp als Präsentation auf den Bildschirm geklatscht werden.

Die Schulen werden also pflichtbewusst die 25.000 Euro pro Jahr für die Anschaffung von digitalen Geräten wie zum Beispiel Laptops, VR-Brillen und Tablets ausgeben. Vielleicht werden dann noch ein paar sinnarme Lernprogramme und ein Office-Paket darauf installiert und das war´s dann. Besonders “schön” finde ich, dass jede Schule ein eignes Digitalkonzept schreiben soll, besser wäre doch eine zentrale Idee, vielleicht mit ein paar Varianten. Irgendwer müsste ja auch einmal zentral eine Plattform erschaffen. 

Es wird also laufen wie immer, irgend ein PC-Händler liefert gemäß Ausschreibung den fertig konfigurierten Krempel, vorzugsweise mit Microsoft Windows und Office, weil Microsoft daran ein Interesse hat und mit den Worten Industriestandard wirbt.

Solange alles ohne Einbeziehung des Internets passiert, ist das ganze ohnehin eine nutzlose Trockenübung. Und für eine Einbeziehung müsste, um die Risiken zu minimieren, erst einmal so etwas wie ein kontrolliertes Netz geschaffen werden, in dem möglichst nur kindgerechte Inhalte abrufbar sind. Dann geht es noch weiter mit verschiedenen Betriebssystemen, wer weiß schon, ob Android, Apple, Windows oder Linux die Wahl der Zukunft ist. 

Hardware

Im übrigen ist es ziemlich Wurst, ob die Schüler die nötige Medienkompetenz mit Alt-PC´s, die mittlerweile an jeder Schule in größerer Stückzahl vorhanden sein sollten, oder mit hochmodernen Geräten erwerben. Nur zeigen muss es ihnen jemand. Genau an diesem Punkt habe ich so meine Zweifel. Tablets würde ich übrigens eher als kontraproduktiv ansehen.

Man lernt wesentlich mehr, wenn man aus einzelnen Bauteilen einen PC zusammenstellt, diesem ein Betriebssystem seiner Wahl installiert. Danach die einzelnen Komponenten mit den benötigten Treibern zum Funktionieren bringt und die benötigte Software selbst installiert. Welcher Lehrer ist in der Lage seine Schüler bei einem solchen Vorhaben zu unterstützen? Nur wenige, vermute ich.

Internet

Liebe Lehrer Hand auf´s Herz: Wisst ihr wie man sich risikoarm im Netz bewegt? Welche Daten Microsoft, Facebook, Google und wie sie alle heißen, abgreift? Könnt ihr euren Schülern die nötigen Rechtskenntnisse (DSGVO, Persönlichkeitsrechte, Urheberrecht, Strafrecht) vermitteln? Auch über Begriffe wie social Media, Cybermobbing, Echokammer und Filterblase müßte jemand referieren, und natürlich darüber, dass das Netz nicht vergisst. Niemals.

 

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.